06.03. - 10.04.2026
EXIST
Fotografien von Elfi Mikesch
„Exist“ – Eine Fotografie existiert, weil etwas gewesen ist – und weil es im Bild gegenwärtig bleibt. In Elfi Mikeschs Werk ist dieses Sehen niemals neutral. Es ist Beziehung, Verwandlung und Erinnerung zugleich. Exist meint hier mehr als bloßes Dasein: Ex ist. Das Vergangene (Ex) tritt in der Gegenwart (Ist) erneut hervor.
Die frühen analogen Schwarz-Weiß-Fotografien aus den 1960er- bis 1990er-Jahren entstehen im engen Kreis von FreundInnen und künstlerischen WeggefährtInnen. Expressiv, oft inszeniert, körperlich und intim, bewahren sie den Zauber eines alchimistischen Prozesses: Aus dem Alltäglichen wird etwas Erhabenes, aus Nähe eine Bildgestalt. Diese Arbeiten begreifen Fotografie als zwischenmenschliches Phänomen – als Ausdruck von Begehren, Solidarität und Befreiung, als Erprobung neuer Identitäten jenseits fester Zuschreibungen. Sie halten fest, was gewesen ist, und widersprechen der Vorstellung, Zeit könne Wunden heilen. Sie macht vergesslich – das Bild erinnert.
Die neueren, digitalen und meist farbigen Fotografien aus den Fotofilmen „Die Straße als Erzählung“ verlagern den Blick in den öffentlichen Raum. Als Flaneurin richtet Mikesch ihre Aufmerksamkeit auf Straßen, Häuserzeilen, Graffiti, Kinder, Passanten. Das Übersehene wird sichtbar, das Gegenwärtige lesbar. Die Straße erscheint als erzählter Raum, in dem sich politische, soziale und persönliche Spuren überlagern – eine lebendige Gegenwart, die sich fortwährend einschreibt.
Zwischen beiden Werkgruppen spannt sich ein zeitlicher Resonanzraum: Vergangenheit, die im Bild fortbesteht, und Gegenwart, die bereits Spur wird. Exist bezeichnet diesen Übergang. Das Bild in der Hand. Den Blick, der verbindet. Das Erinnern als Akt des Daseins.
Elfi Mikesch, (* 31. Mai 1940 in Judenburg, Steiermark) ist eine österreichisch-deutsche Fotografin, vielfach preisgekrönte Kamerafrau und Filmregisseurin.
Zu ihren persönlichen und künstlerischen Weg- und Lebensgefährten zählen u.a. Werner Schroeter, Rosa von Praunheim, Monika Treut, Heinz Emigholz und
Lilly Grote.



