10.07. - 14.08.2026
"Anderswelten"
Fotografien von ANTONIUS
Anderswelten – Fotografien von Antonius
Die Fotografien von Antonius eröffnen Bildwelten, die zwischen Naturbeobachtung und Imagination angesiedelt sind. Blumen, Früchte, Fische, Vögel und andere organische Elemente verbindet der Künstler zu sorgfältig komponierten Arrangements, die zugleich vertraut und fremd erscheinen. Ausgangspunkt sind reale Objekte, deren ungewöhnliche Zusammenstellung den Blick auf die Natur verändert und neue Assoziationen entstehen lässt.
Viele der Arbeiten erinnern an die Tradition der barocken Stilllebenmalerei. Wie die niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts inszeniert Antonius Pflanzen, Früchte und Tiere mit großer Präzision und einem ausgeprägten Gespür für Licht, Farbe und Materialität. Doch seine Fotografien sind keine historischen Zitate. Vielmehr übertragen sie die Bildsprache des Stilllebens in die Gegenwart und entwickeln daraus eigenständige Kompositionen, die zwischen Wirklichkeit und Traum, Dokumentation und Fantasie oszillieren.
Auch thematisch ergeben sich Parallelen. Bereits die barocken Stillleben verbanden Schönheit und Reichtum mit dem Bewusstsein von Vergänglichkeit. Blüten in voller Pracht, reife Früchte oder erlegte Tiere erinnerten daran, dass alles Leben einem ständigen Wandel unterliegt. Ähnliche Gedanken scheinen auch in den Fotografien von Antonius auf. Seine Bilder erzählen jedoch keine eindeutigen Geschichten und enthalten keine festgelegte Symbolik. Sie laden dazu ein, eigene Bedeutungen zu entdecken und individuelle Bezüge herzustellen.
Charakteristisch für die Arbeiten ist ihre außergewöhnliche Detailgenauigkeit. Antonius fotografiert mit einer Zeilen-Scannerkamera, deren hohe Auflösung selbst feinste Oberflächen und Strukturen sichtbar macht. Viele Werke erschließen sich deshalb erst beim längeren Betrachten: Hinter dem ersten Eindruck treten immer neue Formen, Farbnuancen und räumliche Beziehungen hervor.
Die surreal anmutenden Bildwelten entstehen dabei überwiegend nicht durch digitale Bildmontagen, sondern durch aufwendig arrangierte Studiosets. Pflanzen, Tierpräparate und andere Objekte werden sorgfältig zusammengestellt und als reale Inszenierungen fotografiert. Die digitale Nachbearbeitung dient vor allem der Ausarbeitung des Bildes; nur in Ausnahmefällen werden mehrere Aufnahmen zu einer Komposition zusammengefügt.
So bewegt sich Antonius an einer spannenden Schnittstelle zwischen klassischer Stillleben-Tradition und zeitgenössischer Fotografie. Seine Werke verbinden technische Präzision mit künstlerischer Inszenierung und eröffnen Räume für persönliche Wahrnehmungen und Deutungen. Die Ausstellung Anderswelten lädt dazu ein, Bekanntes neu zu sehen – und in den vertrauten Formen der Natur Bilder zu entdecken, die zwischen Realität und Vorstellungskraft ihren eigenen Kosmos entfalten.



